Christentum und Islam – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Unter dieser Überschrift fand am 6. März ein Infoabend im evangelischen Gemeindehaus in Menzingen statt, zu dem sich rund 30 Interessierte eingefunden hatten. Pfarrer Gunter Hauser,  Bezirksbauftragter für Flucht und Migration, gestaltete diesen interessanten und informativen Abend.

Gunter Hauser referierte zunächst Aussagen des bekannten Theologen Hans Küng zur Entstehungsgeschichte des Islam. Dabei spielten Auseinandersetzungen zwischen Judenchristen und Heidenchristen im Urchristentum eine Rolle, aber auch Konflikte im vierten Jahrhundert um die Frage der Göttlichkeit Jesu. Dieser Streit zwischen Unitariern, die die Einzigkeit Gottes betonen, und Trinitariern, die die Lehre der Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist vertreten, wurde massiv ausgetragen und bildet sich auch im Glaubensbekenntnis von Nicäa-Konstantinopel aus dem Jahr 381 – im Gesangbuch unter der Nummer 023 – ab. Menschen aus der unterlegenen Gruppe, die sich nicht in diesem Glaubensbekenntnis wiederfanden, waren für die Verkündigung des Propheten Mohammed empfänglich, der zu Beginn des siebten Jahrhunderts die Einzigkeit Gottes betonte.

Nach diesem historischen Exkurs waren die Zuhörer gefordert. In einem Quiz sollten sie zuordnen, ob bestimmte Aussagen aus der Bibel oder dem Koran stammten. Tatsächlich wurde bei vielen Sätzen deutlich, dass man sie sich in beiden Büchern vorstellen konnte – so nahe beieinander sind viele theologische Aussagen und Formulierungen. Auf diese Weise wurde auch deutlich, wie nahe sich beide Religionen in vielen Punkten sind und wie stark die gemeinsame Wurzel ist.

Anschließend ging Gunter Hauser auf konkrete Fragestellungen ein, etwa das Gottesbild, die Rolle der Frauen, das Tragen des Kopftuches sowie ethische Gebote beider Religionen. Auch da zeigte sich manche Gemeinsamkeit, wenn natürlich auch Unterschiede bestehen bleiben.

Toleranz und Respekt vor den jeweiligen Prägungen im Glauben setzen auch voraus, dass man sich informiert. In diesem Sinne findet bereits seit einigen Jahrzehnten ein christlich-islamischer Dialog statt. Pfarrer Hauser erklärte, dass dieser Dialog durch die hohe Zuwanderung und die oft sehr emotionale Diskussion über die Aufnahme von Flüchtlingen schwieriger geworden sei und häufig auch mit Misstrauen begleitet werde. Gerade angesichts der Herausforderungen für die Gesellschaft sei dieser Dialog aber unbedingt zu pflegen, da es keine bessere Alternative gibt. Zum Abschluss verwies Gunter Hauser auf das Jahresthema der Caritas im Jahr 2006: „Integration beginnt im Kopf“.

Im Anschluss nutzen die interessierten Zuhörer die Möglichkeit, Gedanken auszutauschen und Gespräche zu vertiefen. So konnten alle mit einem Zugewinn an Erkenntnis und Einsicht nach Hause gehen.

Volker Geisel